Denkanregungen – inspirierende Gleichnisse und Gedanken

Was kommt dabei heraus, wenn du dich von einem Gedanken inspirieren lässt und ihn konsequent weiterverfolgst? Hier kannst du es ausprobieren! Zu kurzen Texten stellen wir eine Reihe von Fragen. Diese Fragen sind nur als Anregungen gedacht. Du kannst sie selbstverständlich ignorieren und deinen eigenen Gedankenwegen folgen. Wenn du zu wichtigen Ergebnissen kommst, teile sie uns mit, damit alle davon profitieren können!

Die ersten drei Gedankenanstöße beginnen mit einem Märchen. Dabei machen wir uns zunutze, dass viele Märchen auf uralte Überlieferungen zurückgehen und unter fantastischen Ausschmückungen einen Kern von Wahrheit verbergen. Diesen Kern, der in der Regel für die Beliebtheit und die Verbreitung der Märchen in allen Kulturen verantwortlich ist, versuchen wir durch gezielte Fragen herauszuschälen. Dann erweist sich in vielen Fällen, dass die Kernaussagen der Märchen mit theosophischen Konzepten gut vereinbar sind. Märchen sind ebenso wie die Theosophie eine Überlieferung alter Weisheit, sprechen allerdings eine andere Zielgruppe an, verpacken die Wahrheiten anders und verhüllen sie oft sehr gründlich.

Heimat des Märchens vom Teilen

In einem Dorf lebten zwei verwaiste, arme Geschwister, um die sich niemand kümmerte und die oft hungrig einschliefen. Als ihr Acker wegen einer großen Dürre keinen Ertrag mehr brachte und es in der Provinz zu einer Hungersnot kam, nahmen sie ihr letztes Geld, um Reis zu kaufen. Sein Preis war extrem angestiegen, so dass abzusehen war, dass sie mit der geringen Menge Reis, die sie erwerben konnten, nicht lange überleben würden. Dennoch lud der Bruder eine alte Frau zum Essen ein, die er vorher aus einer bedrohlichen Lage gerettet hatte, die erschöpft und hungrig war und an der vorher viele achtlos vorübergegangen waren. Die Schwester schimpfte, begann dann aber Reis zu kochen. Die alte Frau wies sie zu ihrer Verwunderung an, nur sieben Reiskörner in das kochende Wasser zu geben. Trotz ihrer Zweifel folgte sie diesem Rat. Als hieraus ein ganzer Topf voller Reis wurde, konnten sie sich alle satt essen. So geschah es während der Dürre jeden Tag. Der Acker, der bald wieder bewirtschaftet werden konnte, lieferte siebenmal mehr Ertrag als zuvor. Die umliegenden Bauern beobachteten das argwöhnisch und stahlen ihnen eines Nachts alle Reisvorräte, doch auf Geheiß der alten Frau trugen Ameisen sie wieder zurück. Wütend wollten sie sich nun mit Gewalt den Reis holen, doch die alte Frau wusste das zu verhindern, und so ließen sie von ihnen ab. Nachdem die alte Frau die Geschwister verlassen hatte, erschien sie ihnen noch einmal im Traum und bat sie, ihr jeden Tag sieben Reiskörner zu opfern. Beide versprachen es und mussten seitdem nie mehr Hunger leiden.

Jan-Philipp Sendker: Das Geheimnis des alten Mönches – Märchen und Fabeln aus Burma. München 2019, 144-147: Über das Teilen

Anregungen:

Bild zum Märchen Frau Holle

Ein schönes und fleißiges Mädchen lebt bei seiner Stiefmutter, die es laufend schikaniert und ihre eigene, aber faule Tochter vorzieht. Als der Stieftochter eine Spindel in den Brunnen fällt, muss sie hineinspringen, um sie zurückzuholen. Sie erwacht in der Welt von Frau Holle. Noch bevor sie diese trifft, erwarten sie einige Aufgaben: rufende Brote aus einem Backofen wollen vor dem Verbrennen gerettet werden, ein Apfelbaum bittet darum, von seiner übergroßen Apfellast befreit zu werden. All das tut das fleißige Mädchen bereitwillig. Schließlich nimmt Frau Holle sie in ihren Dienst, und sie schüttelt fleißig Betten aus und sorgt so für Schnee in der Welt. Als das Heimweh sie übermannt, schickt Frau Holle sie durch ein Tor wieder in ihre Welt zurück. Im Tor wird sie für ihren Dienst zum Dank von einem Goldregen überschüttet.

Durch den reichen Lohn verlockt, schickt die Stiefmutter auch ihre hässliche und faule Tochter in den Brunnen hinab. Diese weigert sich aber, den Backofen zu leeren und den Baum zu schütteln, und im Dienst bei Frau Holle gibt sie sich nur am ersten Tag etwas Mühe. Unzufrieden schickt Frau Holle sie durch dasselbe Tor nach Hause, doch statt Gold regnet Pech auf sie herab.

Anregungen:

Illustration zum Märchen

Anregungen:

Original-Zitat: G. de Purucker: Golden Precepts of Esotericism. Point Loma, 1931, 27 f.

„You cannot see beauty outside unless you have beauty within you. You cannot understand beauty unless you yourself are beautiful inside. You cannot understand harmony unless you yourself in your inner parts are harmony. All things of value are within yourself, and the outside world merely offers you the stimulus, the stimulation, of and to the exercise of the understanding faculty within you.“

In der Literatur finden wir ähnliche Zitate:

Illustration zu Schönheit und Harmonie

Plotin (205 – 270), Begründer des Neuplatonismus (Enneaden I, 6 , Übersetzung: Georg Büchmann, 1889)

Illustration zu Schönheit und Harmonie

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832): Gedichte. Ausgabe letzter Hand, 1827, Zahme Xenien, Kap. 3

Anregungen:

Illustration zu Harmonie und Ethik, eigenes Foto

Gottfried von Purucker: Goldene Regeln der Esoterik. Übersetzung aus dem englischen Original

Original-Zitat: G. de Purucker: Golden Precepts of Esotericism. Point Loma, 1931, 108

„When a man acts harmoniously, he acts in accordance with the universal scheme and law; and harmony in consciousness and thought and therefore in action is what men understand by the term ethics. Ethics are not a convention; morals are not a convention; they are rooted in the harmony, in the central laws, of Being; they are based on the very structural harmony of the Universe.“

Wiegen des Herzens, Illustration zu Karma

Anregungen:

Illustration zu Karma Zwei Seiten
Illustration zu Karma Zwei Seiten

Gottfried von Purucker: Goldene Regeln der Esoterik. Übersetzung aus dem englischen Original

Original-Zitat: G. de Purucker: Golden Precepts of Esotericism. Point Loma, 1931, 36 f.

„Yet ,good‘ and ,bad‘ are relative. We call things ,good‘ when they happen to please us, and when we do not like them, we say that they are ,bad‘. And yet the very thing or things which at the time you did not like in some cases have turned  out splendidly for you, brought you good luck, brought you happiness, at the very least put strength of fiber into your character, which is worth more than all worldly treasures: they gave you insight, unlocked the powers of your heart, enabled you to think, in short made a man out of you.

Nothing happens to us which we ourselves did not engender in the beginning. We sowed the seeds.“

Anregungen:

Illustration zu Karma Summe

Gottfried von Purucker: Die Esoterische Tradition. Übersetzung aus dem englischen Original

Original-Zitat: G. de Purucker: The Esoteric Tradition. Point Loma, 1940, Vol. II, 665

„… every man receives in due course of time throughout duration just what he has builded for himself – neither more nor less, and that once he learns this sublime truth, and has become convinced of it, he will turn his face towards the rising sun – which is but a way of saying that he will endeavor to make his life straight and upright; for the sense of moral responsibility will have entered into him …“

Anregungen:

Illustration zu Wiedergeburt

Gottfried von Purucker: Goldene Regeln der Esoterik. Übersetzung aus dem englischen Original

Original-Zitat: G. de Purucker: Golden Precepts of Esotericism. Point Loma, 1931, 87 f.

The Disciple: Pray tell me what prevents the light from illumining man and what it is that inhibits the action of the inner god?

The Teacher: I will tell you. It is personality – that is all, and all the evils that flow forth from personality. Not individuality, which is godhood, the indivisible part of us, deathless and immortal, which tastes never of death nor of decay – but personality; the small, mean, petty, restricted, limited things which form a close and compact atmosphere around our being, and which scarcely anything except immortal love can ever penetrate. …

The way by which to grow ist o shed the personal in order to become impersonal: to shed, to cast aside, the limited in order to expand. How can the chick leave the egg without breaking ist shell?“

Illustration zu Persönlichkeit

Gottfried von Purucker: Esoterische Philosophie – Wörterbuch. Übersetzung aus dem englischen Original

Original-Zitat: G. de Purucker: Occult Glossary. Point Loma, 1933, 64:

„The individuality is the spiritual-intellectual and immortal part of us; … The personality is the veil, the mask, composed of various sheaths of consciousness through which the individuality acts.“

Anregungen:

Illustration zu Gedankenanregungen Seele, von William Blake

Gottfried von Purucker: Esoterische Philosophie – Wörterbuch. Übersetzung aus dem englischen Original

Original-Zitat: G. de Purucker: Occult Glossary. Point Loma, 1933, 158 f.:

„A soul is an entity which is evolved by experiences; it is not a spirit, but it is a vehicle of a spirit …. It manifests in matter through and by being a substantial portion of the lower essence of the spirit. … The spirit … manifests in seven vehicles, and each one of these vehicles is a soul.“

Das Zitat wirft Licht auf die dreifache Zusammensetzung des Menschen aus Geist, Seele und Körper. Die Abbildung oben zeigt William Blakes allegorische Darstellung der Anziehung von Seele und Leib, könnte sich aber ebenso auch auf das Verhältnis von Geist und Seele beziehen.

Anregungen:

Illustration zu Schlaf und Tod

Gottfried von Purucker: Die Esoterische Tradition. Übersetzung aus dem englischen Original

Original-Zitat: G. de Purucker: The Esoteric Tradition. Point Loma 1935, Vol. II, 833:

„Death is precisely and in all aspects identical with this process of ,falling asleep‘. There is, as has already been stated, absolutely no difference nor essential distinction whatsoever between the twain.“

Illustration zu Gedankenanstöße Schlaf und Tod, Kelchkrater, Athen, 510 v.Chr. (Ausschnitt)

Gottfried von Purucker: Goldene Regeln der Esoterik. Übersetzung aus dem englischen Original

Original-Zitat: G. de Purucker: Golden Precepts of Esotericism. Point Loma, 1931, 59:

„Death is an absolute sleep, a perfect sleep, a perfect rest; sleep is an incomplete death, an imperfect death, and often troubled with fevered and uneasy dreams on account of the imperfection of the conscious entity – call it soul, if you like – which the human ego is. Death and Sleep are brothers. What happens in sleep takes place in death – but perfectly so. What happens in death and after death, takes place when we sleep – but imperfectly so.“

Hypnos (Schlaf) und Thanatos (Tod), oben dargestellt auf einem Kelchkrater (Athen, 510 v. Chr.), galten in der griechischen Mythologie als Brüder.

Anregungen:

Illustration zu Tod

Gottfried von Purucker: Goldene Regeln der Esoterik. Übersetzung aus dem englischen Original

Original-Zitat: G. de Purucker: Golden Precepts of Esotericism. Point Loma, 1931, 32:

„For a certain period of time, dependent upon the interval preceding death, the soul is withdrawing from the aged body. This accounts for the so-called advance in the symptoms and physical phenomena of age, of old age. But such withdrawal of the soul, in the normal course, is peaceful and quiet, and is Nature’s way of making death come as a quiet blessing of peace and harmony.“

Anregungen:

Illustration zu Wiedergeburt

Gottfried von Purucker: Die Esoterische Tradition. Übersetzung aus dem englische Original

Original-Zitat: G. de Purucker: The Esoteric Tradition. Point Loma, 1935, Vol. II, 651:

„It is through and by means of reincarnation that human souls meet each other again, come together again, for their weal or for their woe, as the case may be. One looks into the eyes of a stranger, that is, a stranger to this body, in this life, and the eyes , intuitively as it were, see an old friend. Instant comprehension, quick understanding, and magnetic sympathy are there.

Reincarnation does not separate, as it has quite mistakenly supposed to do by superficial critics; on the contrary, it unites. Were reincarnation not a fact in Nature, human beings obviously would not be brought together again; and they constantly and continuously are reunited in the lives that follow each other in serial order, albeit it is quite possible that, due to karmic causes, the same individuals may not be reunited on every occasion when reimbodiment takes place.“

Anregungen: