Philosophische Konzepte: Zusammengesetztheit
Ohne die Zusammengesetztheit aller Wesen und Welten ist weErst wenn wir erkennen, dass alle Wesen und Welten aus Elementen oder Prinzipien unterschiedlicher Materialität zusammengesetzt sind, können wir Wiedergeburt und Karma überhaupt verstehen. Wir umreißen das Thema einführend und geben Begriffe und Hinweise, die zu einem vertiefenden Studium einladen.
weitere Konzepte:

1. Die Siebenfältigkeit des Menschen
Was genau ist ein Mensch? Die Frage klingt zunächst einfach, ist aber gar nicht so leicht zu beantworten. Im gewöhnlichen Denken wird der Mensch oft mit dem menschlichen Körper gleichgesetzt, doch nur extreme Materialisten werden darauf beharren, dass der Körper alles ist, was den Menschen ausmacht.
Wie wollen wir sonst erklären, dass Menschen miteinander kommunizieren können, planvoll denken und handeln, soziales Verhalten zeigen und sich um Schwächere kümmern, schöpferisch tätig sind und bisweilen eine Wirkung ausstrahlen, die andere in ihren Bann zieht, sie inspiriert und zu Höchstleistungen anspornt? Dass Gehirnzellen Bewusstsein erzeugen, dass Hormone Gefühle bewirken oder dass Neurotransmitter die Ursache von Gedanken sind, ist eine doch sehr einseitig materielle Erklärung, die diese komplexen Fähigkeiten und Phänomene nicht im Ansatz adäquat oder zufriedenstellend erklären kann.
Die meisten der alten Philosophien und Religionen sehen im Gegensatz dazu im Menschen ein primär spirituell-geistiges Wesen. Sie erklären ihn als ein Bewusstseinszentrum, das sich in Phasen der Manifestation durch ein Bündel oder Aggregat von Kräften zum Ausdruck bringt und durch einen materiellen Körper wirkt.

Platon (428-348 v. Chr.)
Der griechische Philosoph Platon sah in der Seele die Vermittlerin zwischen dem Geistigen und dem Sinnlichen. Im Phaidros vergleicht er sie mit einem Wagengespann, das von einem widerspenstigen und einem gehorsamen Pferd gezogen wird, die ein Wagenlenker zu beherrschen versucht. Das Gespann illustriert die drei Seelenteile, die Platon unterscheidet: das vernünftig Lenkende, das mutig Tätige und das Begehrende.

Seelenwagen des Platon:
Der Wagenlenker hat die Aufgabe, ein mutiges und ein unberechenbares Pferd zum Ziel zu führen.
In den Überlieferungen wird die Zahl der verschiedenen Komponenten, Elemente oder Prinzipien des Menschen unterschiedlich angegeben. Die klassische Theosophie zählt zusammen mit dem Körper und dem geistigen Ursprung sieben verschiedene Komponenten oder Ebenen. Im Interesse einer eindeutigen Zuordnung nennen wir hier auch die Sanskrit-Ausdrücke, die im indischen Schrifttum verwendet werden.
Komponenten der zusammengesetzten Natur des Menschen
- Das oberste Prinzip, Âtman, reiner Geist oder reines Bewusstsein, gehört strenggenommen nicht zum Menschen und nimmt nicht aktiv an seiner Entwicklung teil, wird aber als Quelle und Verbindungsglied zum Kosmischen mitgezählt.
- Das zweite Prinzip, Buddhi, das als göttliche Seele, höhere Intuition oder spirituelles Unterscheidungsvermögen und Verstehen umschrieben werden kann, ist eine übergeordnete Art unpersönlichen Denkens, die das menschliche Denken inspiriert und fördert, so gut wir es zulassen.
- Das dritte Prinzip, Denken oder Manas, ist das Prinzip, in dem wir uns als Menschen hauptsächlich entwickeln. Es ist ein Werkzeug mit einem intuitiven und einem intellektuellen Anteil. Als Denker bewegen wir uns in diesem Prinzip hin und her und können so lenken, auf was wir unseren Willen und unser Augenmerk richten. Damit bereiten wir uns selbst den Weg oder bestimmen die Richtung, in die wir uns als Ego oder Mensch entwickeln. Neigen wir uns den unteren, mit dem Körper assoziierten Prinzipien zu und verfolgen vorrangig unsere eigenen Interessen, fördern wir Egoismus, Unfrieden und Streit. Richten wir aber unser Denken auf das Wohl anderer, dann öffnen wir es dem Einfluss des zweiten Prinzips, und es kann im Interesse der Gemeinschaft tätig werden.
- Das vierte oder mittlere Prinzip, Kâma, umfasst den Willen, die Wünsche und die Emotionen. Als Kraft des Wünschens ist es das mächtigste Werkzeug des Menschen, denn es aktiviert den Willen. An sich ist dieses Prinzip neutral, erst unsere Gedanken färben es. In den unteren Aspekten wirkt es als Selbstsucht, in den oberen als Hunger nach höheren Dingen und Erkenntnissen. Je nachdem, wohin wir dieses Prinzip mit dem Denken lenken, lässt es sich für wohltätige Zwecke ebenso einsetzen wie für persönliche Ziele.
- Als fünftes Prinzip wird Prâna, die Lebenskraft aufgeführt. Sie wirkt mit allen anderen Prinzipien zusammen, steht hier aber insbesondere für die Kraft, die durch den Körper pulsiert und den physischen Menschen zusammenhält.
- Das sechste Prinzip oder Element, das Linga-ṡarîra, ist der Modellkörper, auch Astralkörper genannt. Es ist das feinstoffliche Modell, das bereits vor dem physischen Körper besteht und seinen Aufbau bestimmt. Im Leben umhüllt und durchdringt es den Körper und sorgt für seine reibungslose Funktion.
- Der physische Körper, das Sthûla-ṡarîra, ist eine Verdichtung des Astral- oder Modellkörpers. Er ist unser Instrument oder Werkzeug, ohne das wir in der materiellen Welt hilflos wären. Wenn wir das erste Prinzip als oberen Pol ansehen, wirkt der materielle Körper als unterer Pol in dem Spannungsfeld, in dem sich das Bündel Mensch entwickelt.
Die sieben Komponenten des Menschen sind im Leben eng miteinander verbunden, wirken untrennbar zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Abgesehen vom Geist, der als ihre Quelle und das Ziel ihrer Entwicklung angesehen werden kann, entwickeln sich alle beständig weiter, denn das ist der Zweck jeder Periode der Manifestation oder Verkörperung.
In Bezug auf die Evolution können wir den Menschen als ein Kraftfeld betrachten und sehr anschaulich drei Anteile unterscheiden:
Der Geist ist der obere Pol. Er wirkt zusammen mit dem höheren Teil des intuitiven Denkens.
Der Körper wirkt als niederer Pol. Hierzu gehören neben dem physischen Körper auch der Astralkörper, die physische Lebenskraft und die materiellen, kristallisierten Aspekte des Wollens und Denkens.
Im Spannungsfeld zwischen den beiden Polen umfasst und entwickelt die Seele vor allem das Denken, aber auch das kultivierte Wünschen und Wollen und die niederen Teile der Intuition, soweit sie bisher erweckt sind. Die Seele ist der eigentliche, sich entwickelnde Mensch, der in immer neuen Verkörperungen lernt. Ihr Kern ist das menschliche Ego, das wir als Ich oder Ich bin ich erleben.

Gnothi seauton –
Erkenne dich selbst
Inschrift am Apollontempel von Delphi, dargestellt auf einem Mosaik in Pompeji
Aufgabe des Egos ist es, in immer zunehmendem Maße Selbstbewusstsein zu entwickeln und sich selbst als geistige Wesenheit zu erkennen. Nach der Lehre der Theosophie ist im innersten Selbst in der Essenz das gesamte Universum enthalten, so dass der Prozess der Selbsterkenntnis nie endet.
2. Hierarchien und Welten
Die siebenfältige oder dreifältige Konstitution des Menschen veranschaulicht, dass er eine Hierarchie ist, eine abgestufte Skala von Kräften, die so eng zusammengehören, dass sie für eine bestimmte Zeit als eine Wesenheit gemeinsam evolvieren. Kennzeichen einer Hierarchie ist, dass alles, was sie zusammensetzt, all ihre Lebensatome und Kräfte, Elemente und Prinzipien aus einer Quelle hervorgegangen sind und sich am Ende der Evolutionsperiode wieder in sie zurückziehen. Diese Quelle der Hierarchie wird Hierarch genannt. Er ist zum einen ihr Ursprung und Same, zum anderen ihre Blüte und Vollendung.
Wir können auch unser Universum als eine Hierarchie betrachten, zu der sieben untergeordnete Stufen, Sphären oder Welten gehören. Die oberste, höchste oder göttliche Stufe ist der Hierarch. Der Hierarch enthält und begrenzt alles, was irgendein Bewohner des Universums durch Evolution erreichen kann.
Für jedes Prinzip des Menschen gibt es eine kosmische Ebene oder Welt, in der es eine Heimat findet: So existiert eine spirituelle Welt, in der der Mensch erste Höhenflüge des intuitiven Denkens erleben kann, eine Welt der Gedanken oder des Denkens, seine engere Heimat, eine Welt der Wünsche und Begierden, auch des spirituellen Wollens, und ebenso eine astrale Welt. Daneben existieren kosmische Lebenskraft und natürlich auch die materielle Welt, die wir um uns herum wahrnehmen können.
Weiterführende Information:
Wohin willst du als Nächstes?